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Inhalt:

Politische Bildung als Kernauftrag der Kirche. Forum Katholischer Erwachsenenbildung in Österreich startet Initiative #politisch.sein.

„Politische Bildung ist keine Parteipolitik. Sie ist ein Dienst an der Demokratie – an Gewissen, Urteilsfähigkeit und Menschenwürde. Kirche bildet keine Wählergruppen, sondern mündige Bürgerinnen und Bürger.“

Mit diesen Worten brachte Andreas G. Weiß, Direktor des Katholischen Bildungswerks Salzburg, den Anspruch der neuen Initiative #politisch.sein des Forums Katholischer Erwachsenenbildung in Österreich auf den Punkt. Zahlreiche Teilnehmer:innen vor Ort sowie online folgten am Montagabend der Einladung der Vernetzungsgruppe „Politische Bildung“ ins Bildungshaus St. Virgil und diskutierten unter dem Motto „#politisch.sein als Auftrag kirchlicher Bildung“ über die Rolle kirchlicher Erwachsenenbildung in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung.

Kirchliche politische Bildung stärkt Demokratie und Mündigkeit

Gemeinsam mit Regina Petrik, Generalsekretärin der Katholischen Aktion Österreich, und Markus Schlagnitweit, Direktor der Katholischen Sozialakademie Österreichs, diskutierte Andreas G. Weiß Grundlagen und Herausforderungen kirchlicher politischer Bildung. Unter der Moderation von Kathrin Karloff (Bildungsforum bei den Minoriten in Graz) und Rainald Tippow (Caritas Wien) wurde deutlich, dass christlicher Glaube öffentlich und gesellschaftlich verantwortlich ist – und dass Demokratie jener Raum ist, in dem Werte wie Würde, Teilhabe und Frieden ausgehandelt werden.

Regina Petrik betonte, Bildung müsse auf drei Ebenen ansetzen: Erstens brauche es solides Wissen über Verfassung und demokratische Abläufe, zweitens die Stärkung demokratischer Haltungen und Dialogfähigkeit und drittens konkrete Kenntnisse über Möglichkeiten politischer Beteiligung. Kirche könne dafür geeignete Rahmenbedingungen bieten. „Kirchliche Erwachsenenbildung ist geradezu prädestiniert dafür, auf diesen drei Ebenen Bildungsangebote bereitzustellen. Sie ist parteiunabhängig, verfügt über ein klares Wertefundament und bietet Räume für persönliche Begegnung“, so Petrik.

Markus Schlagnitweit unterstrich die gesellschaftspolitische Verantwortung kirchlicher Bildungseinrichtungen. Sie sei „Kernauftrag im Sinne der Katholischen Soziallehre“. Demokratie lebe von verantwortungsbereiten Bürgerinnen und Bürgern, die Macht kritisch reflektieren. „Man kann nicht nicht politisch sein“ – auch Neutralität sei eine Position.

Andreas G. Weiß hob hervor, dass christlicher Glaube verpflichtet, sich für menschengerechte Bedingungen einzusetzen. Kirche bringe Sinnfragen in gesellschaftliche Debatten ein und verstehe sich als Gastgeberin für Dialog – nicht, um Gehorsam zu erzeugen, sondern um kritisches Denken zu fördern. Sie handle abseits direkter Macht, im Vertrauen darauf, dass Menschen selbst Verantwortung übernehmen und Lösungen mitgestalten können. In einer polarisierten Gesellschaft könne sie so eine vermittelnde Rolle einnehmen.

In der Diskussion wurde deutlich: Es geht nicht um parteipolitische Positionierung, sondern um die Stärkung von Urteilskraft, Dialogfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein.

Starkes Signal für demokratische Kultur

Mit der Initiative #politisch.sein setzt die Vernetzung Politische Bildung ein deutliches Zeichen für qualitätsvolle politische Bildung in Österreich. Ziel ist es, politische Bildungsangebote im kirchlichen Kontext sichtbarer zu machen und Menschen darin zu stärken, politische Prozesse zu verstehen, eigene Positionen zu entwickeln und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

Breites Engagement in ganz Österreich

Die Vernetzung Politische Bildung im Forum Katholischer Erwachsenenbildung besteht seit 2013 und vereint kirchliche sowie zivilgesellschaftliche Einrichtungen der Erwachsenenbildung mit dem Ziel, politische Mitgestaltung und demokratische Kultur zu stärken.

Im Forum Katholischer Erwachsenenbildung engagieren sich rund 600 Hauptamtliche und 11.000 ehrenamtliche Mitarbeiter:innen aus über 70 kirchlichen Bildungseinrichtungen für eine zeitgemäße, kirchlich verankerte Erwachsenenbildung in ganz Österreich.

Weitere Informationen zur Initiative #politisch.sein sind unter www.forumkeb.at/politisch.sein abrufbar.

(Forum Katholischer Erwachsenenbildung Österreich)

 

Mehr als nur „Operettenkrieger“:  Florian Traussnig über das Austrian Battalion der US-Armee

Im Arkadensaal des Grazer Minoritenzentrums schilderte am 10. Februar Dr. Florian Traussnig, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung, die politisch glücklose Geschichte des vor allem von Otto Habsburg ins Leben gerufenen „Österreich-Bataillons“ der US-Armee im Zweiten Weltkrieg. Er warf dabei aber auch ein Schlaglicht auf die Leistungen der „Veteranen“ dieses Bataillons im Kampf gegen den Nationalsozialismus „von außen“.

Mit Verweis auf kreative und „tierische“ zivilgesellschaftliche Proteste in den USA gegen autoritäre Aktivitäten der Regierung Trump eröffnete Dr. Kathrin Karloff, Leiterin des Bildungsforums bei den Minoriten und Gastgeberin, Florian Traussnigs Vortrag zu „Otto Habsburgs ‚Operettenkrieger‘?“. Ausgehend vom immer wieder erneuerten Kampf gegen rechtsextremes Gedankengut führte Karloff in „ein noch unbekanntes Kapitel österreichischer Geschichte, mit enger Verzahnung in die USA“ hinein: Nämlich die von Traussnig vorgestellte und schillernde Geschichte des sogenannten „Austrian Battalion“, einer Austro-amerikanischen Kampfeinheit, die mithelfen sollte, Österreich vom Nationalsozialismus zu befreien.

Diese von Otto Habsburg, einem NS-Gegner und umtriebigem Netzwerker der österreichischen (und monarchistischen) Sache in den USA, und rechtskonservativen exilösterreichischen Akteuren Ende 1942 ins Leben gerufene und nach wenigen Monaten bereits aufgelöste Kampfeinheit der US-Armee gilt bis heute als umstrittenes Politikum und krachend gescheitertes Projekt. Mit Ausnahme von in die USA geflohenen Mitgliedern der Habsburg-Familie wie Carl Ludwig von Habsburg, zwei Brüdern der aristokratischen Trapp-Musikerfamilie oder ein paar Dutzend „Österreichpatrioten“ im US-Exil konnte diese Einheit weder genügend Freiwillige noch die öffentliche, eher antimonarchistische Meinung in den USA für sich gewinnen.

 

Mit mentalitätsgeschichtlich aufschlussreichen Zeitzeugenaussagen, die das Motiv der Wiener Operette biografisch, phänomenologisch und vor allem augenzwinkernd umkreisten, führte Traussnig zunächst durch die kurze Geschichte dieses Nationalbataillons in Camp Atterbury, Indiana. Zwar habe es, so Traussnig, bei konservativen und mitunter jüdischen Bataillonsangehörigen aus Österreich durchaus Zuspruch und sogar imperiale Nostalgiegefühle gegeben, dennoch sei die „Moral“ innerhalb der österreichstämmigen Truppe schlecht gewesen und politische Gegner wie der unfreiwillig zum „Habsburg-Bataillon“ geschickte Kärnter Sozialist Joseph Podlipnig hätten lautstark ihren Protest kundgetan.

Endete die offizielle Erzählung bzw. Debatte rund um das Austrian Battalion bisher stets mit dessen sang- und klangloser Auflösung im Mai 1943 durch das US-Kriegsministerium, so erzählte Traussnig auf Grundlage neu erschlossener US-Archivquellen die Geschichte der soldatischen Akteure und vermeintlich verhinderten „österreichischen Freiheitskämpfer“ dieser Einheit nun weiter. Nach dem Scheitern von „Ottos Bataillon“ hätten viele seiner „Veteranen“ einen bemerkenswerten militärischen Beitrag zum Exilwiderstand gegen den Nationalsozialismus geleistet, meinte der Historiker: Als einfache „Buck Privates“, Verhörsoldaten oder sogar Offiziere der US-Armee.

So kämpfte etwa der Ex-Bataillonssoldat und Musiker Rupert von Trapp 1945 als US-Gebirgssoldat und Sanitäter in Italien gegen die Wehrmacht und wurde mit dem Bronze Star ausgezeichnet; der jüdische Bataillonsveteran Kurt Popper aus Wien, ein Sanitäter, Feldchirurg und Verhörsoldat („Ritchie Boy“), verunglückte während seines Einsatzes an der Westfront in Belgien tödlich. Andere, wie der ehemalige Stallbursche und Hausdiener der österreichstämmigen Opernsängerin Maria Jeritza in Los Angeles, „Gustl“ Prossinger, hatten nach ihrem kurzen Dienst im Austrian Battalion mehr Glück: Er überstand den Krieg unbeschadet und verhörte 1947 sogar den hochrangigen NS-Kunsträuber Kajetan Mühlmann.

Der später verdiente Europa-Politiker Otto Habsburg habe bei seinem US-Militärprojekt die exilpatriotische und symbolbeladene Österreich-Erzählung zu hoch eingeschätzt und wohl auch ein politisches Mitspracherecht für sein Haus nach der Befreiung Österreichs im Auge gehabt, resümierte Traussnig. Daher sei das Österreich-Bataillon exil-, aber auch militärpolitisch zum Scheitern verurteilt gewesen. Letztlich, so Traussnig, habe die „Anlehnungsmacht“ USA mehr an harten geopolitischen Interessen und loyalen sowie kampfwilligen Soldaten als an politischen Vorstellungen europäischer Flüchtlinge ein Interesse gehabt.

Wie der Vortrag zeigte, haben zahlreiche österreichische Flüchtlingssoldaten eine solche Loyalität zu ihrem Gastland nach dem Scheitern des Austrian Battalion bewiesen und unter teils hohem persönlichen Risiko einen Beitrag zur Niederringung des NS-Regimes in Europa geleistet. Dass „diese österreichischen Männer nicht unbedingt alle Helden waren“, vergaß Traussnig nicht zu ergänzen. Die Gründe, warum sie zu Widerstandskämpfern in der US-Armee wurden, seien stets ambivalent, oft auch pragmatischer Natur gewesen – „so wie die Menschen an sich ambivalent sind.“

Nach der Veranstaltung tauschten sich die engagierten Teilnehmer:innen noch lange mit dem Referenten bei einem Glas Wein aus.

(Dr. Florian Traussnig, Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung)

 

 

„Welches Europa brauchen wir?“

Buchpräsentation & Talk mit Gerald und Francesca KNAUS

Eine Veranstaltung des GrazMuseums, in Kooperation mit dem Bildungsforum bei den Minoriten

Mit ihrem leidenschaftlichen, äußerst fundierten Plädoyer forderten Gerald und Francesca KNAUS am 14. Jänner im voll besetzten GrazMuseum eine realistische Europa-Politik ein, die eine überzeugende Vision für einen verunsicherten Kontinent umfasst. „Welches Europa brauchen wir? – Ein politisches Wunder und wie wir es vor seinen Feinden schützen“, Titel ihres jüngsten Buches (2025) und zugleich Leitfrage des aufrüttelnden, nicht mit Tatsachen sparenden Abends, brachte auf den Punkt, dass es, angesichts der aktuellen, tiefgreifenden Bedrohung der europäischen Ordnung, unseres Friedens, Wohlstands und der Achtung der Menschenrechte, um viel geht: „Es braucht“, so Politikwissenschaftler und SPIEGEL-Bestsellerautor Gerald KNAUS, „keine sich abschottende Festung, sondern einen selbstbewusst und zugleich realistisch handelnden Akteur.“

Europa müsse sich zudem seiner Geschichte als Erfolgsmodell bewusst sein, sich aber auch ehrlich mit seinem unerfüllten Potenzial der europäischen Einigung auseinandersetzen. Denn schließlich wäre nicht erst im Jahr 2022 der Krieg nach Europa gekommen, sondern sei seit 1990 ein kontinuierliches Kennzeichen in verschiedenen Staaten des Kontinents gewesen. Nur auf der Basis dieser realistischen Bewusstwerdung könne man sich der dringend notwendigen Entschärfung zahlreicher Krisenherde und konkreter Problemlösung widmen.

Trotz der ständig auf uns einprasselnden Negativnachrichten „braucht es Strategien gegen die Angst“, fügte KNAUS, mit Bezug zu Fritz Stern‘ Publikation „Kulturpessimismus als politische Gefahr“ (1961), hinzu – und eine Bewusstwerdung darüber, was es im Ernstfall zu verteidigen gilt, wie es Frankreichs Generalstabchef Fabien Mandon im November 2025 formulierte: „Was uns fehlt, ist die geistige Stärke, Leid zu akzeptieren, um zu schützen, wer wir sind.“

Um Inspiration zu finden und Mut zu fassen, müssen wir uns Geschichten erzählen – „über das, was wir in Europa schätzen, was wir lieben“, führte Francesca KNAUS, die European Studies in Amsterdam studierte und jetzt, 26-jährig (!), als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Bundestag zu Außenpolitik und Menschenrechten arbeitet, aus – und brachte es auf den Punkt: „Es braucht Narrative über unsere Rechte und unsere Freiheit.“

Bei Brezeln und Wein erzählten sich die knapp 70 Besucher:innen noch lange diese essentiell notwendigen Geschichten, bis die „Signierstunde(n)“ schließlich ein Ende nahm(en).

(von Kathrin Karloff)

 

 

 

WOLFGANG SCHÜSSEL: „Mit Zuversicht. Was wir von gestern für morgen lernen können.“

Steirische Erstpräsentation & inspirierendes Gespräch im Steiermarkhof

Vor 200 Gästen präsentierte Bundeskanzler a.D. WOLFGANG SCHÜSSEL am 4. Juni, drei Tage vor seinem 80. Geburtstag, sein jüngstes Buch „Mit Zuversicht. Was wir von gestern für morgen lernen können“ im Steiermarkhof – und damit erstmalig in der Steiermark. „Als eine Bibel der Resilienz schenkt es mit seinen inspirierenden Geschichten in der aktuellen, oftmals als herausfordernd erlebten Zeit, Hoffnung und Zuversicht“, so Prof. Ing. Johann Baumgartner, Referent des Steiermarkhofs, in seiner Begrüßung. Wolfgang Schüssels Werk, „eine Mischung aus Erzähl- und Essayband“, mache zudem Mut, mit Esprit und Gestaltungskraft Wege und Ideen für die Zukunft zu entwickeln und umzusetzen, so Co-Moderatorin Kathrin Karloff, Leiterin des Bildungsforums bei den Minoriten.

Mit seiner großen politischen Erfahrung, ausgeprägtem Feingefühl und tiefer innerer Gelassenheit spannte der ehemalige ÖVP-Spitzenpolitiker und der im Herzen überzeugte Europäer den Bogen weit: Von frühen Kindheitserfahrungen im zerbombten Wien der Nachkriegszeit („Wir waren von Hungersnot geplagt“) über seine ersten zaghaften Schritte in Richtung Politik („Ich war froh, wenn ein bis zwei Sätze von mir in öffentlichen Debatten verwendet wurden“) bis zu den erlebten Auswirkungen des Eisernen Vorhangs an der Ostgrenze („eine dramatische Situation!“) und dem Fallen desselben nahm Schüssel die aufmerksamen Zuhörer:innen auf eine faszinierende Erinnerungsreise mit, als deren Höhepunkt er den 12. Juni 1994 darstellte: als die österreichische Bevölkerung in einer Volksabstimmung mit breiter Mehrheit grünes Licht für den EU-Beitritt gab. „Dies war der schönste Tag in meinem politischen Leben“, unterstrich Schüssel. „Am Abend schalteten Bürgermeister Helmut Zilk und ich die spektakuläre Beleuchtung der Hofburg ein. Jedes Mal, wenn ich jetzt abends über den Heldenplatz gehe, freue ich mich über dieses bleibende Lichtzeichen.“

Die aus seiner hochengagierten Europapolitik resultierenden Überzeugungen betonte der Bundeskanzler a.D. im anschließenden Talk mit Kathrin Karloff und Johann Baumgartner, v.a. bezogen auf notwendig zu setzende Schritte in Richtung Zukunft: Entscheidend sei, die von ihm initiierte Entbürokratisierung weiter voranzutreiben, die Digitalisierung als Chance zu begreifen sowie v.a. für eine positive, vertrauensvolle Aufbruchstimmung in der Politik zu sorgen. „Es braucht einen Wake-up-Call“, so Schüssel kämpferisch. „Wir müssen uns auf unsere eigenen Füße stellen, unsere Naivität ablegen und selbst mit Entschlusskraft für Sicherheiten sorgen, ohne uns nostalgisch zurückzusehnen. Nur so kann die liberale Demokratie zukunftsfähig bleiben.“ Und weiter: „Politiker:innen müssen sich leidenschaftlich und fair mit Themen auseinandersetzen und sich zugleich respektieren. In Debatten darf es kein Kriminalisieren, keine Androhung mit dem Strafrecht geben!“

Die für Wolfgang Schüssel stets wichtige Regel des Heiligen Benedikt – „Obsculta – Höre, mein Sohn, neige das Ohr deines Herzens“ –, die ihm „das rechte Maß, die Gelassenheit und die Bescheidenheit“ beigebracht habe, setzte er schließlich im Gespräch mit den Teilnehmenden in der zweiten Veranstaltungshälfte engagiert um: Bei Fragen rund um aktuelle Themen wie Migration, den erstarkenden Rechtspopulismus, den Wert der Arbeit und den persönlichen Beitrag bei der Gestaltung der Zukunft stand er mit großem Weitblick beratend zur Seite. Das Sich-Zurücknehmen bei allem Tun sei jedoch ebenso wichtig: „Mit Benedikt heißt es, die richtige Balance zu finden: Schlafen und Wachen, Reden und Schweigen, Arbeit und Erholung, Einsamkeit und Gemeinschaft, Strenge und Güte, Führung und Sich-führen-Lassen.“

Stärkung erfuhren die zahlreichen Gäste zudem durch die feinfühlige musikalische Umrahmung des Abends durch Pianist Eduard Lanner, Direktor des Johann-Joseph-Fux-Konservatoriums: Er gab die kürzlich in Graz entdeckten „Mailänder Variationen“ von Wolfgang Amadeus Mozart, die zweieinhalb Jahrhunderte nicht gespielt worden waren, sowie vier Tänze von Franz Schubert zum Besten – als „etwas verfrühtes Geburtstagsgeschenk für den ehemaligen Bundeskanzler, der selbst vier Instrumente spielt“. Wir wünschen ihm schon jetzt alles Gute und sagen DANKE für einen großen inspirierenden Abend, der mit langer Signierstunde Wolfgang Schüssels am ausverkauften Büchertisch der Buchhandlung Plautz in Erinnerung bleiben wird.

Ein Bericht von Kathrin Karloff

Nachbericht: Wir waren Täter & Opfer: „1945er“-Symposium zu Kriegsende & Neubeginn

Was passiert mit einer Gesellschaft nach dem Krieg? Mit ihrem juristischen und gesellschaftspolitischen Blick auf die Entnazifizierung in Österreich eröffnete Claudia Kuretsidis-Haider vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands das „Übergänge“-Symposium anlässlich von 80 Jahre Kriegsende und Neubeginn. Eine Veranstaltung, so Ko-Organisator Florian Traussnig, die angesichts der Krise der Demokratie kein schulterklopfendes Ritual, sondern brandaktuell ist. Die „transitional justice“ zwischen Diktatur und Demokratie als „Vergangenheitsbewältigung durch Recht“ wollte dem „Vergessen entgegenwirken, Verantwortlichkeit festlegen und Opfer anerkennen“, so die Historikerin in ihrem instruktiven Vortrag, der grundlegende Fakten und Zahlen zur NS-Verstrickung unserer Gesellschaft lieferte. Nach einer durchaus intensiven ersten Phase mit rund 137.000 eingeleiteten „Volksgerichts“-Verfahren und 13.600 Schuldsprüchen ebbte die Entnazifizierung Mitte der 1950er Jahre ab – „das Verdrängen oder Vergessen kann auch ein Instrument des Übergangs sein“ sein, so Kuretsidis-Haider, die aber ergänzte: „Wir schulden den Opfern Rechtssicherheit.“

Der aus New Orleans angereiste Doyen der Marshall-Plan-Forschung, Günter Bischof, sprach in seinem Vortrag „US-amerikanisches 'Nation Building' und Wiederaufbau nach dem Krieg“ über die wirtschaftlichen Grundlagen, aber auch das propagandistische „Grand Narrative“ des Marshall Plan, von dessen Hilfsgeldern eine Milliarde in Österreich landete und der unser Land fest in der westlichen Wirtschaftssphäre verankerte. Die Kleine Zeitung zitierte Bischof tags darauf: „Das war überlebenswichtig, ohne diese Unterstützung würden Österreich und die Steiermark heute weit schlechter dastehen“. Die auch mit Marshall-Plan-Geldern errichteten Skilifte und deren ökologische Folgewirkungen werden heute von jungen Forschenden anders und kritischer untersucht, so der austro-amerikanische Historiker, der gleichwohl darauf hinwies, dass etwa die von Exilösterreicher Joseph Buttinger und seiner Frau nach 1945 privat gespendeten CARE-Pakete in unserem kriegs- und hungergebeutelten Land Menschenleben gerettet haben. „Friede ist nur, wenn es den Menschen gut geht“, so Bischof.

Unter dem Titel „Demokratie des Missmuts. Vom Niedergang des Nachkriegsoptimismus“ arbeitete Philosoph Peter Strasser heraus, wie die nach 1945 vorhandene „Österreicheuphorie“ mit ihren wirtschaftlich abgesicherten Prinzipien „Familie, ein maßvolles Wohlleben, Freiheit und Sicherheit im Berufsfeld“ verflogen ist und nunmehr von illiberalen und rechtsautoritären Kräften unter Druck gesetzt wird. Zum Wesen menschlicher Natur, so Strasser, gehört einerseits die anthropologische Einsicht, dass der Mensch des Menschen Wolf ist; andererseits kann die „grund- und menschenrechtlich ausgelegte, liberale Demokratie“ als „schlechteste“ Staatsform –  mit Ausnahme aller anderen, so Winston Churchill –, mithelfen, diese Natur zu zivilisieren. Strasser nannte keinen einfachen Ausweg aus der gegenwärtigen Polit- und Stimmungsmisere, sah aber in „Wohlstandswahrung, Verringerung sozialer Ungleichheit und jenen christlichen Werten der Caritas, ohne die eine humane Gemeinschaft nicht denkbar ist“ den bestmöglichen Pfad, um „unter demokratischem Vorzeichen dem Sturm zu begegnen.“

Helmut Konrad, Historiker und ehemaliger Rektor der Uni Graz, nahm die Vorbemerkungen zur österreichischen „Unabhängigkeitserklärung“ in der am 28. April 1945 – also noch vor dem militärischen Ende des NS-Reichs – erschienen, lagerübergreifenden Zeitung Neues Österreich zum Anlass, um die Suche nach dem „anderen Österreich“ kritisch zu reflektieren. In dieser von Karl Renner und weiteren Führungsfiguren der Nachkriegsparteien verfassten Präambel steht etwa, dass der Nationalsozialismus „das macht- und willenlos gemachte Volk Österreichs in einen sinn- und aussichtslosen Eroberungskrieg geführt hat, den kein Österreicher jemals gewollt hat.“ Mit derartigen – aus heutiger Sicht den österreichischen „Opfermythos“ stärkenden – Aussagen wollte man „nationale Identitäten für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ bzw. nach dem Krieg für den Wiederaufbau nutzen, so Konrad. Diese persönliche wie kollektiv durchaus sinnstiftende „Suche nach dem ‚anderen Österreich‘“ sei nicht nur besatzungspolitisch hilfreich gewesen, sondern habe später auch junge Zeitgeschichte-Studierende und Historiker wie ihn erfasst. Letztlich gelte es ein komplexeres Bild von (gleichzeitiger) Täter- und Opferschaft sowie von nationalen Mythen zu zeichnen.

Florian Traussnig schilderte im zweiten „Panel“, wie sich zwei austro-amerikanische US-Soldaten in der bereits 1944 befreiten deutschen Stadt Aachen hinter den Kulissen ein politisches „Match“ um die Nachkriegsordnung lieferten – und dabei einen handfesten, aber demokratisch lehrreichen Skandal verursachten. So achtete die Armee nach Kritik an der rechtskonservativ-kirchennahen Stadtregierung Aachens auf eine ausgewogenere Ämterbesetzung im befreiten Deutschland.

„Der einzige Russe, der vorbeikommt, ist einer, der Eier wollte“ – auf die 75 existenziell dichten Tage des „Roten Sterns über Graz“ blickte die Historikerin Barbara Stelzl-Marx und zitierte dazu aus regionalen Tagebüchern wie jenem des Grazer Geschäftsmanns Hans Hermann Gießauf. Neben der klaren Benennung sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Plünderungen war Stelzl-Marx auch ein differenziertes „Russenbild“ wichtig: Sowjetische Soldaten seien in dieser Zeit „sozialer, infrastruktureller, politischer, kultureller sowie persönlicher Herausforderungen“, so die Professorin an der Uni Graz und Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung, auch sehr kinderfreundlich und großzügig gewesen.

Wie überraschend offen die katholische Kirche, die 1933/34 den Weg in die Diktatur des „Austrofaschismus“ mit geebnet hatte, mit diesem schwierigen Erbe umgeht, schilderte Werner Anzenberger. Nach einer persönlich gefärbten Skizze zur Genese des von der Kirche vielfach unterstützten und teils kultisch überhöhten Dollfuß-Schuschnigg-Regimes blickte der Zeithistoriker auf jüngere politische Entwicklungen: Bischof Wilhelm Krautwaschl habe sich für die „enge Verflechtung von Kirche und Parteipolitik“ entschuldigt und die Kirche setze heute auf Dialog, so Anzenberger.

Ko-Organisator und -Moderator Martin Hochegger von der Katholischen Arbeitnehmer:innenbewegung Steiermark wies zum Abschluss der Vorträge auf die Komplexität und Vielschichtigkeit unserer Zeitgeschichte hin und forderte Wachsamkeit gegenüber „klugen Rechten“, die die Suche nach Identität für antidemokratische Zwecke missbrauchten.

Der das interdisziplinäre Symposium beschließende Talk „Wieviel Verdrängung braucht eine Täter- und Täterinnengesellschaft?“ wurde von KULTUM-Leiter Johannes Rauchenberger mit Gedanken zur Gegenwartsbewältigung durch Kunst und der pädagogischen Leiterin des Bildungsforums bei den Minoriten, Kathrin Karloff, mit einem Verweis auf „den letzten Europäer“ bei Walter Benjamin eröffnet. Moderator und Journalist Christian Weniger fragte selbstkritisch: „Ist ein Symposium genug“ zur Aufarbeitung unserer Geschichte seit 1945? Ebenso (produktiv-)provokant übte Psychiater Michael Lehofer Kritik am „ritualisierenden Erinnern“ sowie an der „linken Gedächtnispolitik“ und forderte ein Zulassen von Schuldgefühlen, das erst Berührung und Bindung an die Opfer ermögliche. Der Soziologe Manfred Prisching resümierte: „Wir waren beides – Täter und Opfer. Die Schönheiten und Grauslichkeiten unserer Geschichte gehören in eine reife Persönlichkeit integriert.“

Florian Traussnig

Das Symposium wurde vom Bildungsforum bei den Minoriten organisiert und in Kooperation mit Katholische Arbeitnehmer:innenbewegung Steiermark, KULTUM, Katholische Aktion Steiermark, Katholische Hochschulgemeinde Graz, Bischöfliches Amt für Schule und Bildung, Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung, Generation plus - Grüne Seniorinnen sowie Zukunft braucht Erinnerung durchgeführt. Wir bedanken uns beim Amt der Bürgermeisterin der Stadt Graz für die Kulinarik sehr herzlich.

Lachen gegen den Wahnsinn

Scharfzüngig satirisch ging es im Vortragssaal der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) bei einem Kabarett-Abend mit Florian Scheuba einher. Gemeinsam mit dem Bildungsforum Mariatrost lud die KHG unter dem Titel „Durch den fehlenden Ernst den Ernst der Lage erkennen“ zum lachenden Nachdenken über die aktuelle politische Weltlage ein. 

Material dafür bot der ,Investigativ-Kabarettist‘ (Zitat, Kathrin Nußmayr, Die Presse) genug, da Tagespolitik und Weltgeschehen reichlich Anlass zum Lachen bieten. Besonders autoritäre und rechtspopulistische Entwicklungen nahm Scheuba dabei aufs Korn.

Dabei ging es an diesem Abend um mehr als bloße Spöttelei. Wie Moderator Florian Traussnig in seiner Einführung betonte, ermöglicht die politische Satire, die Dinge noch einmal anders in den Blick zu nehmen und ein Feld zu eröffnen, in dem grundlegende Fragen zu Demokratie und Gesellschaftspolitik auftauchen können. Satire verfremdet und lässt durch Überspitzung sichtbar werden, was vielleicht sonst übersehen wird. Von studentischer Seite tauchte dementsprechend die Frage auf, wie ein breiter politischer Diskurs noch möglich sei – besonders mit Menschen, die eine ganz andere politische Auffassung vertreten.

Scheubas spitzfindige Recherche sorgte immer wieder für neue Erkenntnisse, als er humorvoll kuriose Parteiausgaben, politische Fettnäpfchen und bedenkliche Regierungspläne zur Sprache brachte.
Wie schwer es ist, heute noch angesichts unerwarteter Wendungen im Weltgeschehen Satire und Realität zu trennen, sprach der Kabarettist dabei ebenso an wie die Gefahr überbordender Zensur. Satire braucht es dennoch, so Scheuba, denn gerade in prekären und unsicheren Zeiten, die seit Beginn des Jahres immer mehr geprägt sind von Politikern mit absurden Allmachtsfantasien, helfen Humor und Satire, so manchen „Wahnsinn“ etwas entgegenzusetzen, denn: „Vor Dingen, über die man lachen kann, fürchtet man sich auch weniger.“
Text von Daniel Pachner

„1945 | 1955 | 1975 | 1995: Zäsuren der österreichischen Zeitgeschichte“

Eine Reise durch die Schlüsselmomente in Österreichs Zeitgeschichte von 1945 bis 1995 konnte das zahlreich erschienene Publikum am 7. April 2025 im Meerscheinschlössl erleben.

Nach der Begrüßung von Anna Graf-Steiner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung (BIK), Barbara Stelzl-Marx, Leiterin des Instituts für Kriegsfolgenforschung und Professorin für Europäische Zeitgeschichte an der Universität Graz, Freyja-Maria Smolle-Jüttner, Präsidentin der Ludwig Boltzmann Gesellschaft, Peter Riedler, Rektor der Universität Graz und Elke Kahr, Bürgermeisterin der Stadt Graz, begann eine spannende Reise durch Schlüsselmomente in der österreichischen Zeitgeschichte: 80 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs, 70 Jahre Neutralität, 50 Jahre KSZE Schlussakte und 30 Jahre EU-Beitritt.

Freyja-Maria Smolle-Jüttner betonte, dass es die Pflicht der Wissenschaft sei die Wahrheit wieder zurechtzurücken.

Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte in Berlin und München, spannte in seinem Eröffnungsvortrag einen weiten Bogen von den Folgen des Ersten Weltkrieges auf die europäische Sicherheitsarchitektur bis zu den gegenwärtigen Zäsuren.

1945: 80 Jahre Kriegsende – Neueste Forschungen

Kurt Bauer, BIK, beschrieb die unterschiedlichen Schicksale und Erfahrungen der Menschen im Jahr 1945 anhand von Alltagsgeschichten, die in seiner Neuerscheinung „Niemandsland zwischen Krieg und Frieden“ nachzulesen sind.

Florian Traussnig, BIK und Bildungsforum bei den Minoriten, und Robert Lackner, BIK, sprachen über den österreichischen Widerstand im Exil. Die 10. US-Gebirgsdivision war der erste US-Militärverband für alpine Kriegsführung und bot wie andere Einheiten im Zweiten Weltkrieg vielen Österreichern, die vor dem NS-Regime flohen, eine neue Heimat. Wer waren die Männer, die in britischer Uniform, unter teils halsbrecherischen Umständen und mitunter hinter feindlichen Linien im zweiten Weltkrieg an Spezialoperationen gegen das NS-Regime teilnahmen?

Stefan Karner, Gründer des Ludwig Boltzmann Institus für Kriegsfolgenforschung beleuchtete, wie es Gauleiter Sigfried Uiberreither gelang, trotz seiner Kriegsverbrechen unerkannt mit seiner Familie bis zu seinem Tod in Deutschland zu leben.

Barbara Stelzl-Marx, widmete sich der Zeit zwischen dem 9. Mai und dem 23. Juli 1945, als die Rote Armee Graz besetzt hielt. In ihrer neuesten Publikation „Roter Stern über Graz. 75 Tage sowjetische Besatzung 1945“ schildert sie auch anhand von Berichten von Zeitzeug:innen, den gesellschaftlichen und emotionalen Ausnahmezustand, in dem sich die Menschen in der ehemaligen „Stadt der Volkserhebung“ in den ersten elf Nachkriegswochen befanden.

1955: 70 Jahre Österreichische Neutralität

Walter Iber, Universität Graz, und Christoph Huber, BIK und Universität Graz, gingen der Frage nach: Welche Ereignisse des Jahres 1955 bildeten die Grundlage für die guten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und der Sowjetunion?

Mark Kramer, Harvard Universität, widmete sich der Frage, ob Neutralität im Kalten Krieg überhaupt möglich ist. – Der sowjetische Führer Josef Stalin stand dieser misstrauisch gegenüber.

1975: 50 Jahre KSZE-Schlussakte – 50th Anniversary of the CSCE Final Act

In ihrer Publikation „Brückenbauer im Kalten Krieg. Österreich und der lange Weg zur KSZE-Schlussakte“ widmet sich Anna Graf-Steiner Österreich als gefragter Vermittler und Brückenbauer zwischen Ost und West. In ihrem Vortrag schilderte sie die Rolle Österreichs, die die Finalisierung der KSZE-Schulssakte mitbeeinflusste.

Nadia Boyadjieva, Harvard Universität, erörterte die Entwicklung der Menschenrechte und oder Grundfreiheit, einschließlich der Gedanken-, Gewissens-, Religions- und Überzeugungsfreiheit in Ost und West während des Kalten Krieges. Dennoch wurde die Wahrung dieser von den Unterzeichnenden Staaten oft ignoriert.

Leiter des Instituts für Zeitgeschichte in Berlin, Hermann Wentker, schilderte in seinem Vortrag das Verhältnis von Stabilität und Dynamik im KSZE-Prozess zwischen 1977 und 1986.

1995: 30 Jahre Österreich in der EU – 30 Years of Austria in the EU

Maximilian Graf, Österreichisches Staatsarchiv, hob hervor, dass Österreichs Neutralität mit dem Ende des Kalten Krieges keine Hürde mehr für die Mitgliedstaaten darstellte und so der Weg in die Europäische Union geebnet war.

Der ehemalige österreichische Botschafter, Franz Cede, begleitete den Weg Österreichs nach Brüssel. In seinem Vortrag ging er auf die 3 Hürden ein, die das Land auf dem Weg zur EU-Mitgliedschaft zu meistern hatte: Neutralität, Anschlussverbot an Deutschland und Südtirol.

Svetlana Savranskaya, National Security Archive und George Washington Universität, zeichnete die Entwicklung nach, die die USA dazu veranlasste am Ende des Kalten Krieges weiterhin in Europa präsent zu sein.

Tom Blanton, National Security Archive und George Washington Universität, stellte sich der Frage, ob Österreichs Neutralität ein Modell für die Ukraine sein könnte.

Nach den Schlussworten von Barbara Stelzl-Marx, gab es die Möglichkeit sich mit belegten Brötchen und Wein noch weiter über die „5er-Jahre“ auszutauschen.

Diese internationale Konferenz wurde vom Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung (BIK) in Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Universität Graz und dem Bildungsforum bei den Minoriten organisiert. (Bericht verfasst vom BIK)

Konzert zum Valentinstag – Der Liebe Ausdruck schenken.

Klassische Musik & zeitgenössische Texte in der Pfarrkirche St. Vinzenz

Was gibt es Schöneres, als der Liebe Ausdruck zu verleihen? – Unter diesem Motto luden die Pfarre St. Vinzenz und das Bildungsforum Mariatrost am 16. Februar zu einem berührenden Kunstgenuss-Abend ein, der sich nach schöner Tradition bereits zum dritten Mal jährte: Ein Klassik-Potpourri traf auf zeitgenössische Lyrik und kurzweilige Prosatexte. Gemeinsam war der genreübergreifenden Performance die Liebe, die wir einander verschenken.

Einfühlsamst gaben hochtalentierte Studierenden des Johann-Joseph-Fux Konservatoriums und Teilnehmer:innen des Vorbereitungslehrgangs der Kunstuniversität Graz ausgewählte Werke von Tobias Hume, Giuseppe Sammartini, Franz Schubert und Frédéric Chopin zum Besten: Aron Kiechl begeisterte am Klavier, Daniel Kückmeier an der Klarinette und Colleen Wieser an der Gambe. Musikalisch verzahnten die Raum und Zeit umspannenden Stücke die von Christina Pree geschriebenen und vorgetragenen Texte miteinander und spiegelten ihre inhaltliche Tiefe und Weite wider: Während die Suche nach Liebe zu Beginn der Lesung stand – metaphorisch mit den „Ups and Downs“ einer befreienden wie auch einsamen Autofahrt auf den Punkt gebracht , an deren Ende das Sich-Einlassen auf eine dauerhafte Beziehung angedeutet wurde – war die Liebe zum eigenen Selbst Dreh- und Angelpunkt des Hauptteils.

In Anlehnung an Rio Reisers „Halt dich an DEINER Liebe fest“ umschrieb Pree das für das menschliche Weiterleben in Krisenzeiten notwendige Vertrauen an das eigene unauslöschliche Liebesvermögen, das den Kern und den Motivator schöpferischen Tuns bedeute. 

Dass das Festhalten an der Liebe zum Schreiben lebensnotwendig sein kann, betonte Pree schließlich in ihrer lyrischen Darbietung, während Aron Kiechl, Daniel Kückmeier und Colleen Wieser zum Ausdruck brachten, wie essentiell das musikalische Schaffen (und die Fähigkeit zum Hören!) für uns Menschen ist.

„I still haven’t found what I’m looking for.“ – In Crossover-Manier war schließlich die Spannung zwischen der unstillbaren Liebessehnsucht auf Erden und der Gewissheit an die Liebe Gottes, in der „alle Farben in eine zusammenfließen“, auszuhalten. Getragen von dieser Gewissheit stand am Ende des Konzert dann aber erlösend die innere Stärke, die in der finalen Lesung des Slam-Poems von Theresa Sperling „Was ich meinen Söhnen nie zu sagen traute“ im Mut zum solidarischen Miteinander, im notwendigen Ausdruck der Nächstenliebe im täglichen Leben mündete.

Was für ein wunderbar gehaltvoller künstlerischer Abend! Wir danken herzlichst allen Beteiligten! (Kathrin Karloff)

Kämpferisch und verletzlich – Eric Frey und Barbara Ladenburger zur Krise des politischen Vertrauens

 „Die Politik war früher nicht sauberer; die Medien haben sicher nicht fairer berichtet; die Kirche war früher auch nicht besser – im Gegenteil“ – mit diesen Ansagen ließ Standard-Journalist und Politologe Eric Frey, auf Einladung des Bildungsforums Mariatrost, jüngst im Grazer Barocksaal aufhorchen. Mit der aus Berlin zugeschalteten Theologin Barbara Ladenburger und Moderator Florian Traussnig diskutierte er über den empirisch belegbaren und gefühlten Vertrauensverlust, der „klassischen“ Parteien, Medien und Kirche(n) derzeit entgegenschlägt und Populisten sowie Verschwörungserzählungen Auftrieb gibt – so ist laut Umfragen im Land das Vertrauen in das Funktionieren der Demokratie spätestens seit der Corona-Pandemie massiv zurückgegangen. Im Rahmen des von der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung geförderten Veranstaltungsabends ortete Frey in diesem globalen und zunehmend demokratiegefährdenden Misstrauen zunächst eine begrüßenswerte geistige Emanzipation der Menschen, die – anders als noch im 20. Jahrhundert – einer Partei oder einem Priester nicht mehr blind folgen würden: „Der Vertrauensverlust ist auch ein Zeichen einer aufgeklärten, kritischen Gesellschaft“.

Abstrakte Argumente ziehen nicht

Die lautstarke Gruppe jener Misstrauischen, die durch (Internet-)Desinformation und Verschwörungsnarrative den antidemokratischen Kräften zuarbeiten würden, bereite ihm jedoch Sorgen; zudem sei Demokratie als Konzept für die jüngere Generation „irgendwie altmodisch geworden“. Demokratiebejahende Institutionen und Qualitätsmedien sollten daher näher an der Lebensrealität und weniger „abstrakt“ argumentieren und „kämpferischer werden – nicht gegenüber den Menschen, die andere Meinungen haben“, sondern „gegenüber den Demagogen“ und „Zerstörern“ sowie deren Ideologien und politischen Apparaten. Frey knüpfte hier an die Eröffnungsworte von Andreas Gjecaj, des Generalsekretärs der Katholischen Aktion Steiermark, an, der die gesellschaftlichen und politischen Klüfte einerseits anerkennen, andererseits trotz aller Differenzen menschlich überbrücken will.

Glaube stärkt Grundvertrauen

Barbara Ladenburger vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken zitierte u.a. Studien zum niedrigen Zukunftsvertrauen junger Menschen und relativierte sogleich: „Demokratie kann mit einem gewissen Misstrauen umgehen“, allerdings drohe das grundsätzliche Vertrauen in tragende Institutionen und Verfahren der Demokratie heute verloren zu gehen. Hier könne christlicher Glaube „demokratiefördernd wirken“, indem er (politische) Emotionen kanalisiere und eine positive Perspektive aufs Leben biete. Seelisch sei etwa die von vielen „nicht akzeptierte“ Corona-Pandemie eine „extreme Verletzlichkeitserfahrung“ gewesen; Vertrauen brauche, sozialethisch gesehen, aber „akzeptierte Verletzlichkeit“. Gegenüber „völkischem Nationalismus“ – offensichtlich auch jenen eben an die Macht gewählten Rechtspopulisten, die vorgeben, nicht verletzbar und allezeit „stark“ zu sein (Anmerkung F.T.) – sollte die Kirche „als politischer Akteur Grenzen aufzeigen“ und menschenfreundliche, christliche Haltungen mutig vertreten, so Ladenburger, die auch Politikwissenschaft studiert hat. Gläubige Menschen verfügten hier über ein größeres Grundvertrauen (allerdings, so eine Publikumsstimme, hätten laut der Studie „Was glaubt Österreich?“ letztere auch eine größere Sehnsucht nach dem „starken Mann“).

Es braucht Nachsicht und Zuversicht

Mit dem ebenso aktiven wie – etwa in der Bewertung der Migrationsdebatte – kritischen Publikum einigten sich die Talkgäste angesichts solcher Paradoxien darauf, eine klare Kante gegen ausgrenzende, unbarmherzige oder verschwörungstheoretische politische Akteure zu zeigen, aber mit Respekt vor der Lebenswelt der „Anderen“ und mit menschlicher „Nachsicht“ (Frey) um den Fortbestand der Demokratie zu ringen. Die Chancen stehen hier übrigens gar nicht so schlecht: Auch wenn das Funktionieren der Demokratie heute vielfach in Zweifel gestellt wird, beantworten – wie der (bereits im Herbst 2024 vom Bildungsforum eingeladene) Grazer Historiker Heinz Wassermann aktuell nachweist – doch satte 88 % die (Um-)Frage, ob die Demokratie trotz aller Probleme die „beste Regierungsform“ ist, mit „Ja“. Kämpfen wir … und gestehen uns unsere Verletzlichkeit ein!

Florian Traussnig

In Kooperation mit der Katholischen Aktion 
Die Veranstaltung ist gefördert aus Mitteln der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung (ÖGPB).

P.S. In Kürze kommt ein ini-Podcast zum Thema mit O-Tönen von Eric Frey und Barbara Ladenburger raus. Stay tuned!

 

 


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